Baden-Württemberg Schlusslicht in der Kinderbetreuung

Der 1. August steht bald vor der Tür. Von Eltern sehnlichst erwartet, von vielen Politikern und Kommunen gefürchtet, gibt es in knapp drei Wochen also den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder unter drei Jahren. Leider sieht die Realität dann doch nicht so rosig aus: Es fehlen in ganz Deutschland noch ca. 100.000 Plätze. Und eines des reichsten Bundesländer bildet das Schlusslicht bei der frühkindlichen Ganztagesbetreuung: Baden-Württemberg!

CC-BY-2.0 Upsilon Andromedae

Dabei kam der Rechtsanspruch nicht überraschend. Am 16. Dezember 2008 ist das Kinderförderungsgesetz in Kraft getreten: “ab dem 01. August 2013 soll nach Abschluss der Ausbauphase ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für alle Kinder vom vollendeten ersten bis zum vollendeten dritten Lebensjahr eingeführt werden”. Von einem “Abschluss der Ausbauphase” ist fast fünf Jahre nach Verabschiedung des Kinderförderungsgesetzes und drei Wochen vor dem Inkrafttreten des Rechtsanspruchs weit und breit nichts zu sehen – dafür aber zumindest in Stuttgart zahlreiche Baustellen. Denn neue Kitas werden gebaut – aber leider sehr spät. Hätte die Stadt beim Ausbau von Kitaplätzen diesen Elan schon 2009 an den Tag gelegt, würden in Stuttgart heute bestimmt nicht an die 2.000 Kitaplätze fehlen. In Stuttgart hat seit 2008 Grün-Rot die CDU-Landesregierung abgelöst – aber die Probleme wurden trotz vollmundiger Versprechen nicht gelöst. Im grünen Koalitionsvertrag von 2011 steht: “Damit alle Kinder durchstarten können, startet Grün-Rot eine Qualitätsoffensive bei der frühkindlichen Bildung und baut die Betreuungsplätze massiv aus. Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder unter drei Jahren wird ohne Wenn und Aber umgesetzt. Alle Eltern, die einen Krippenplatz für ihr Kind haben wollen, erhalten diesen spätestens im Jahr 2013.”

Wenn doch angeblich unserem Land durch den demographischen Wandel ein volkswirtschaftlicher Schaden entsteht und Kinderarmut im gesellschaftlichen Konsens als Problem unseres Landes gilt, wie kann man dann nicht in die bessere Betreuung von Kindern investieren? Es sollte doch im Sinne der Politik sein, beste Voraussetzungen für Eltern zu schaffen, damit diese früher und mehr Kinder bekommen – und mangelnde Kinderbetreuung wirkt in Industriestaaten ganz besonders abschreckend auf Menschen, die eigentlich Eltern werden möchten. Gerade Baden-Württemberg- als Heimat von Kärcher, Bauknecht, Porsche, Bosch, dm Drogeriemarkt, Daimler und Co. der Inbegriff von Innovation – hinkt in so etwas Elementarem wie der Kinderbetreuung hinterher? Obwohl gute Kinderbetreuung ein Wettbewerbsvorteil und wichtiges Standortargument ist? Vielleicht liegt es auch daran, dass sich das “traditionelle Familienbild” (denn so traditionell und alt ist es tatsächlich gar nicht) besonders hier im Süden so hartnäckig hält und dass sich die Politik bei diesem Thema nur unter großem Druck zum Handeln bewegen lässt.

Immerhin hat Baden-Württemberg das Problem erkannt und die Rohbauten von Kitas sprießen wie die Pilze aus dem Boden. Lieber spät als nie.

PS: Was sagt eigentlich die Piratenpartei zum Thema Familienpolitik? So einiges.

Ein Kommentar

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    sauerkreatur

    in stuttgart sieht man, wie dass es einen unterschied macht, ob rot-grün eine mehrheit hat. da wird die sache jetzt tatkräftig angepackt – schade dass das bei den meisten kommunen in bawü nicht der fall ist.

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