Stuttgart und der Verkehr – noch keine Liebesgeschichte

Am vergangenen Samstag habe ich in Leinfelden-Echterdingen einen Vortrag zum Thema “Finanzierung des Fahrscheinlosen Öffentlichen Personennahverkehrs” gehalten. Dabei ging es ganz speziell um das VVS-Gebiet rund um die Stadt Stuttgart mit ihren speziellen Voraussetzungen. Das Video zur Veranstaltung gibt es hier.

In diesem Artikel möchte ich darlegen, warum sich in Stuttgart beim Thema Verkehr und ÖPNV dringend etwas ändern muss.

Stuttgart hat aufgrund seiner Kessellage und seiner dichten Bebauung mehr und mehr Schwierigkeiten, den Verkehr am Laufen bzw. Fahren zu halten. Wahrscheinlich stand schon jeder Stuttgarter am Pragsattel, auf dem City Ring oder in Sillenbuch im Stau – und das nicht nur einmal. Die IHK schätzt die jährlichen Kosten, die in Stuttgart durch Stau verursacht werden, auf 318 Millionen Euro! Zudem hält Stuttgart einen traurigen Rekord: Deutschlands Kreuzung mit der höchsten Feinstaubbelastung befindet sich am Neckartor in Stuttgart-Ost. Und schon bald will die EU Kommunen sanktionieren, die die Feinstaubwerte überschreiten – mit 100.000 Euro pro Tag – Stuttgart hätte alleine für 2011 8,9 Millionen Euro zahlen müssen!

Kosten für Wirtschaft in Stuttgart durch Stau

Was liegt da also näher, als auf den ÖPNV umzusteigen? Das Problem in Stuttgart ist allerdings, dass die Ticketpreise relativ hoch sind: Ein Kurzstreckenticket für 3 U-Bahn-Haltestellen kostet 1,20 Euro, ein Ticket für eine Fahrt in einer Zone kostet 2,20 Euro (2,05 Euro als Handyticket) und ein Einzel-Tagesticket für zwei Zonen kostet 6,30 Euro (gesamtes Netz 14,30 Euro – im Vergleich dazu München: 11,20 Euro. Na gut, Hamburg ist teurer: 17,90 Euro). Ganz besonders teuer sind in Stuttgart die Monats- und Jahrestickets: Für zwei Zonen zahlt man in Stuttgart im Jahresabo pro Monat 63,17 Euro (Hamburg: 49,80 Euro, München: 456 Euro jährliche Einmalzahlung, macht 38 Euro pro Monat). Das Auto ist bei diesen Preisen leider immer noch eine günstige Alternative.

VVS Ticketpreise

Allen Stuttgartern und Parteien ist klar, dass der Verkehr reduziert werden muss. Nur wie das passieren soll, ist noch ein heißumkämpftes Thema. Zum Beispiel wollen Die Grünen die City-Maut, Tempo 30 statt 50 innerorts und das Parken deutlich verteuern. Wir Piraten sind dagegen der Meinung, dass es keinen Sinn macht, zuerst das Autofahren teuer (und damit unattraktiv) zu machen. Denn bei gleichzeitig hohen VVS-Tickets würde das den einkommensschwächsten Teil der Bevölkerung am stärksten treffen. Denn mobil müssen wir alle sein, um zur Schule, Uni, Kita, Arbeit, zum Einkaufen, ins Kino, zu unserer Familie oder zum Schwimmen zu fahren. Und nur die wenigsten können in der Kesselstadt Stuttgart auf das Fahrrad umsteigen (aber es gäbe bestimmt sportliche Waden!). Wir verfolgen den Weg der positiven Motivation. Beim Thema Verkehr in Stuttgart heißt daher unser Konzept Umlagefinanzierter Fahrscheinloser Öffentlicher Nahverkehr.

Wohlgemerkt: Fahrscheinlos, nicht kostenlos. Die Stuttgarter Piraten haben ein konkretes Finanzierungsmodell ausgearbeitet, das den ÖPNV im VVS-Gebiet für jeden Menschen erschwinglich macht, der VVS die gewohnten Einnahmen sichert und dadurch ganz automatisch, ohne finanziellen Zwang und ohne erhobenen Zeigefinger das Auto für Fahrten innerhalb des VVS-Gebiets unattraktiv macht.

Unser konkretes Modell präsentiere ich in meinem nächsten Artikel.

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