Tagesmütter-Notstand: schlechte Bezahlung – schlechte Aussichten für Eltern

Vor einigen Tagen habe ich einen interessanten Artikel in der Online-Faz gelesen: “Recht auf Kinderbetreuung – Die armen Mütter”. Darin geht es darum, dass Tagesmütter zwar vom Staat händeringend gesucht werden, um den Betreuungsanspruch ab August diesen Jahres für Kinder zwischen einem und drei Jahren zu erfüllen. Aber zugleich können die meisten dieser Tagesmütter von ihrer Arbeit kaum leben, müssen aufstocken und geben oft genug ihren Beruf schließlich aus finanziellen Gründen auf. Oder, wie es Heide Pusch, Geschäftsführerin des Landesverbands der Tagesmütter ausdrückt: „Wir qualifizieren 1000 Tageseltern im Jahr, doch 998 von denen laufen uns aufgrund der schlechten Bezahlung wieder davon.“

Tagesmütter können von ihrem Einkommen kaum lebenCCBY epSos.de

Ich frage mich: Warum werden Tagesmütter nicht einfach besser bezahlt, um diesen Beruf attraktiver zu machen? Ganz offensichtlich gibt es hier doch einen Engpass. Er wurde mittlerweile vom Staat erkannt, aber nicht behoben. Da fast alle Tagesmütter über die Jugendämter der Städte vermittelt und bezahlt werden, wäre es verwaltungstechnisch relativ einfach, den Stundensatz von Tagesmüttern zu erhöhen. Aber dann höre ich schon die Kritiker sagen: ”Das hört sich ja alles schön und gut an. Aber wer soll das denn bezahlen?

Mich wundert diese Sichtweise. Denn: Wer soll das denn bezahlen, wenn die Mütter nicht arbeiten gehen? Bei unserem derzeitigen Mangel an Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren wird immer wieder vergessen, dass dieser Mangel auch viel Geld kostet. Um mal eine erste, einfache Rechnung aufzumachen: Ganz abgesehen vom Studium, das den Staat pro Studenten durchschnittlich 49.800 Euro kostet, muss vor allem der Verdienstausfall der Eltern berücksichtigt werden. Nehmen wir einmal an, die Mutter hatte 2011 einen Job mit 40.000 Euro Bruttojahresverdienst. Nach der Geburt des Kindes am 1. Januar 2012 und 12 Monaten Elternzeit hat sie für Januar 2013 keinen Betreuungsplatz gefunden und bleibt zuhause. Das bringt den Staat ab 2013 pro Jahr, wenn wir mal Steuerklasse IV, ein Kind und keine Kirchenzugehörigkeit annehmen, um 7.015,73 Euro Lohnsteuer/Soli und die Sozialversicherungskassen um 8.070 Euro (ohne Gewähr hier ausgerechnet). Insgesamt also schon über 15.000 Euro. Nicht zu vergessen, die Mehrwertsteuer und Verbrauchssteuern, die wegfallen, weil die Familie weniger Geld für den Konsum hat.

Kurz: Jede Frau, die gerne arbeiten würde, aber es nicht kann, kostet den Staat Geld. Sehr viel Geld. Dagegen sind (sagen wir mal) 1,50 Euro pro Kind und Betreuungsstunde Gehaltserhöhung für Tagesmütter ein echtes Schnäppchen.

Was denkst du?